Krauses Köpfchen

Vom bodenständigen Traditionsessen zum hippen Superfood: Grünkohl avancierte dank seines immensen Reichtums an Antioxidantien zum Lieblingsessen gesundheitsbewusster Ernährungsspezialisten. 

Es gab Zeiten, da galt Grünkohl vor allen Dingen als Hasenfutter. Niemand hätte auch nur einen Gedanken darauf verschwendet, daraus ein Gericht zu zaubern. Heute steht der krause Kopf auf der hippen Superfood-Hitliste ganz weit oben. Und das völlig zurecht. Er ist absolutes Gesundfutter. Popeye hätte sicherlich seine wahre Freude an ihm gehabt.

Braunkohl, Hochkohl, Strunkkohl, Federkohl, Krauskohl – der Grünkohl trägt viele Namen. Auch regionale wie z.B. Lippische, Oldenburger oder Friesische Palme. Während der Grünkohl in Nord- und Mitteldeutschland traditionell hoch im Kurs steht, begeistert sich der deutschsprachige Süden erst seit kurzer Zeit für ihn. Immer öfter begrüßen uns die wirren, grünen Köpfe beim Besuch am Gemüsestand.

Wie alle anderen Kohlvarietäten stammt auch der Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica) vom Wildkohl ab. Der krause Kohl gehört zu den schnellwüchsigen Blattkohlarten. Als klassisches Wintergemüse verträgt er Temperaturen bis zu minus 15 Grad und kann den ganzen Winter über geerntet werden. Klassische Anbaugebiete sind vor allem Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Von hier stammen etwa 90 Prozent der gesamten Grünkohl-Ernte Deutschlands.

Grüner Gesundbrunnen

Grünkohl ist gesund. Sein Reichtum an Vitamin C kann sich sehen lassen. Roher Grünkohl zählt mit ca. 105–150 mg/100 g zu den Vitamin C-reichsten Lebensmitteln überhaupt. Aber nicht nur das. Egal, ob Antioxidatien, Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe, Aminosäuren oder sekundäre Pflanzenstoffe – an Vitalstoffen mangelt es ihm auf keinen Fall. Seine entzündungshemmenden und cholesterinsenkenden Eigenschaften sprechen für ihn.

Ein direkter Vergleich zwischen Grünkohl und Rindfleisch zeigt, dass das grüne Gemüse in nährstofflicher Hinsicht deutlich überlegen ist. Übrigens auch bei Mineralstoffen wie Kalzium und Eisen. Dies stellt den Ruf von Rindfleisch als hervorragenden Eisen-Lieferanten in Frage, während der Grünkohl als echte Alternative erscheint.

Grünkohl und der Frost

Grünkohl ist ein klassisches Wintergemüse. Eine Volksweisheit besagt, dass Grünkohl, der nach dem ersten Frost geerntet wurde, besonders schmackhaft sei. Als Faustregel gilt: Umso kälter das Wetter und sonniger die Tage, desto süßer der Kohl. Frost braucht es dazu jedoch nicht. Wenn die Temperaturen sinken, verlangsamt der Grünkohl seinen Stoffwechsel. Bei gleichzeitig klaren, sonnigen Tagen läuft die Photosynthese jedoch weiter. Dabei entsteht der süße Traubenzucker, der in den Blättern eingelagert wird.